Weiterbildungen

Michaela Huber: Organisierte Ausbeutung, Sadismus und rituelle Gewalt

01. – 02. Februar 2013, 17. – 18. Mai 2013 und 15. – 16. November 2013
Weiterbildung über 3 Wochenenden

Weiterbildung - Nr. W 14

Diese Weiterbildung ist ausgebucht. Sie können sich gerne formlos per E-Mail auf die Warteliste setzen lassen.

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Diese Seminarreihe spricht ein Thema an, das unter Fachleuten umstritten und in der Öffentlichkeit wenig bekannt und besprochen ist. Unter Betroffenen von sexueller Ausbeutung und sadistischer Gewalt wird dieses Thema durch Schweigegebote meist tabuisiert.
In der Weiterbildung werden Vorträge, Diskussionen, Videos und anderes Bildmaterial ergänzt durch Fallvorstellungen und – diskussionen, beraterische bzw. therapeutische Empfehlungen, sowie Übungen zu Interventionsmöglichkeiten ebenso wie zur Ressourcenaktivierung und Psychohygiene.

Alle drei Wochenenden sind nur zusammenhängend buchbar, da viel Wert auf das Entstehen einer kontinuierlichen, fachlich sich entwickelnden und vertrauensvoll diskutierenden Gruppe gelegt wird

Inhalte der Weiterbildung

Block 1: Erschrecken und Erkenntnis
Termin: 01. – 02. Februar 2013 | Fr 12.00 h – 19.00 h, Sa 10.00 – 17.00 h

Ein größerer Prozentsatz der sogenannten Kinderpornografie und Kinderprostitution sowie der Erwachsenen-Prostitution (meist von Frauen) enthält rituelle Gewalt, also systematische „Zurichtungsformen“, sadistische Folter und ein „Training“ für die Opfer, um sich widerstandslos (weiterhin) ausbeuten zu lassen. Etliche Menschen berichten auch von Misshandlungserfahrungen im Zusammenhang mit angeblich "satanischen" oder anderen Kultartigen Ritualen.
Wenn Kinder, Jugendliche bzw. Erwachsene organisierten, sadistischen Formen von Ausbeutung ausgesetzt sind oder waren, besteht die größte Schwierigkeit für sie darin, sich über das i.d.R. mit Todesdrohungen verbundene Schweigegebot hinwegzusetzen und sich wenigstens in Andeutungen HelferInnen anzuvertrauen. Daher sollten alle, die im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in pädagogischen Berufen arbeiten, Grundkenntnisse haben über die Merkmale, die auf solche Formen von Gewalterfahrungen hindeuten.
Welche Symptome zeigen die Betroffenen? Welche typischen Formen von Intrusionen (flashbackartige Erinnerungen) schildern sie? Unter welchen Gedanken-, Gefühls- und Verhaltenszwängen leiden sie? Und wenn wir die andere Seite betrachten: Wer sind die Täter(gruppen)? Was ist das überhaupt für eine moderne Form von Sklavenmarkt, die da entstanden ist? Wer sind die Kunden? Gibt es ideologische Glaubensrichtungen, die zu beachten sind? Welche Studien gibt es international zu diesem Thema? Welchen Erinnerungs-Verzerrungen können Betroffene unterliegen? Können wir glauben, was uns die KlientInnen erzählen: ganz, teilweise – gar nicht? Woran könnten wir erkennen, ob das, was berichtet wird, auch tatsächlich stattgefunden haben könnte? Manchmal müssen wir ja im "Doppel-Denk" handeln: Alles, was wir tun und vorschlagen, muss passend sein – ob die berichteten Verbrechen tatsächlich stattgefunden haben, oder ob die KlientIn sie sich nur ausgedacht hat. Wie können wir da "auf der sicheren Seite" sein? Gibt es Beweise und wie können wir sie einfordern und trotzdem abstinent sein? Wie bauen wir genügend Vertrauen auf, um mit den Betroffenen erste Schritte aus den zerstörerischen Beziehungen heraus zu planen? Und falls jemand behauptet, schon "ausgestiegen" zu sein – woran könnten wir es erkennen? Diagnostik und Differentialdiagnostik sowie Prognose: Wer kann es schaffen, erfolgreich aus dem Täterring auszusteigen – und was könnte danach folgen?

Block 2: Arbeit mit der strukturellen Dissoziation bei organisiert ausgebeuteten Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen
Termin: 17. – 18. Mai 2013 | Fr 12.00 h – 19.00 h, Sa 10.00 – 17.00 h

Strukturelle Dissoziation bedeutet eine Aufteilung der Persönlichkeit unter hohem Stress. Sie erfolgt nie zufällig, sondern nach bestimmten Funktionen, die dem Überleben dienen. Bei früher Gewalt wachsen die situativ entstanden Verhaltens-Zustände eines Kindes gar nicht erst zusammen, sondern bleiben getrennt. Zusätzlich gilt: bei organisiert ausgebeuteten Kindern werden dissoziative Prozesse durch die professionellen "Ausbilder" unter den Tätern gezielt ausgelöst, gesteuert und "kodiert" (mit Namen oder Zahlen und Funktionen versehen). Außerdem entstehen durch Depersonalisations-Erfahrungen Beobachter-Zustände sowie freundliche und hilfreiche innere Anteile, die von den betroffenen Kindern meist sehr tief innerlich versteckt werden, aber in der Beratung/Therapie ausgesprochen wichtig sein können.
Daher wird sorgfältige Innenarbeit stets von außen nach innen erfolgen: Mit den (oft relativ ahnungslosen) Alltags-Persönlichkeiten beginnend; diese müssen stabilisiert und stabil gehalten werden, damit die Alltagsfunktionen aufrechterhalten werden können. Gleichzeitig gilt es, behutsam das Vertrauen aufzubauen, dass auch innere abgespaltene Beobachter- und Helferanteile als Ratgeber und „Co-TherapeutInnen“ aufgebaut werden können. Es gilt, die innere gute Intuition, die innere Weisheit sowie eine Vorstellung von einem positiven, selbstregulativen inneren Selbst aufzubauen und zu fördern. Allerdings ist bei noch vorhandenem Einfluss durch äußere Täter sowie dem Agieren der Täterintrojekte ein (oft von allen Beteiligten als quälend langsam erlebtes) behutsames Vorgehen erforderlich, damit die Persönlichkeit nicht weiter auseinanderbricht.
Wie fragen wir uns durch das Persönlichkeitssystem hindurch und sammeln Informationen, damit die inneren HelferInnen damit arbeiten können? Was tun, wenn die äußeren TäterInnen den Druck verstärken? Wie kann man sich den typischen Aufbau einer Persönlichkeit vorstellen, die früh „Trainings“ von TäterInnen erhalten hat? Was ist, wenn „Programme“ (systematisch aufgebaute Gedanken-, Gefühls- und Verhaltenszwänge) losgehen? Warum gilt: "Sobald die Täter Sie/Euch wieder haben – kein falsches Heldentum!" und was bedeutet das für den Ausstiegs-Prozess? Wie können wir charakteristische Programm-Arten und den Aufbau solcher Zwangs-Ketten erkennen und verstehen? Wie arbeiten wir mit täterloyalen und täteridentifizierten Anteilen sowie dem ganzen Persönlichkeitssystem daran, die Gedankenverzerrungen und quälenden, oft selbstzerstörerischen Handlungsimpulse aufzulösen? Was ist überhaupt Deprogrammierung? Und was kommt nach dem Zwang?

Bock 3: Fortschritte in der Ausstiegs-Beratung bzw. Therapie: Vom Überleben zum "Leben danach"
Termin: 15. – 16. November 2013 | Fr 12.00 h – 19.00 h, Sa 10.00 – 17.00 h

Wer über viele Jahre durch Täter(gruppen) fremdbestimmt war, hat es nicht leicht, frei zu sein und sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Und wenn Täter Kapitalverbrechen begangen haben, sorgen sie dafür, dass die Opfer lebenslang an ihre Schweigegebote erinnert werden bzw. immer wieder "zurück"gehen sollen. Wie damit umgehen, dass das Hin und Her viele Jahre dauern kann, auch innerlich? Wie die teilweise großen Schuldgefühle bearbeiten, sich (angeblich oder real) als TäterIn oder MittäterIn beteiligt zu haben? Wie können Betroffene lernen, sich trotz der Dissoziation ein vollständigeres Bild der traumatisierenden Lebenserfahrungen zu machen? Welche Prozess-Techniken können helfen, die teilweise äußerst extremen Misshandlungserfahrungen und die angeblichen bzw. "freiwilligen" oder erzwungenen Mittäterschaften zu verarbeiten? Wie umgehen mit der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Glauben, ideologischer innerer Heimat? Wie mit der Bitterkeit der Erkenntnis, wer alles was gewusst und bei der Ausbeutung mitgemacht oder davon profitiert hat, wer nicht geholfen hat, welche Verluste es unterwegs an Menschenleben gab? Wie kann der Alltag "danach" aussehen, gibt es noch externe und interne Gefährdungen, die bearbeitet werden sollten? Welche Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten sind realistisch? Wie viel Stress kann ausgehalten werden, wo bleiben wunde Punkte? Wird aus dem Vielen eines, und wo sind die "Sollbruchstellen"? Wie können Betroffene ihr Potential an Wissen, Kreativität und Klugheit einsetzen – für sich, für andere, für das "Zeugnis ablegen"? Wenn man die Taten nicht "wiedergutmachen" kann – was kann man sonst tun, zur Kompensation? Welche Selbsthilfeformen, Unterstützungs-Foren, Betroffenen-Netzwerke sind sinnvoll und unterstützenswert, und wo ist Vorsicht geboten?

Zielgruppe
Dieses dreiteilige Seminar richtet sich an Angehörige des Sozial- und Gesundheitswesens sowie an Interessierte aus pädagogischen Berufen und aus der Justiz. Alle TeilnehmerInnen haben Schweigepflicht, was persönliche Daten und Informationen über Betroffene und über andere TeilnehmerInnen der Seminare angeht, werden aber ermutigt, sich ansonsten untereinander und mit ihren FachkollegInnen über das Thema und ihre Seminarerfahrungen auszutauschen. Die Referentin und die Veranstalterinnen gehen davon aus, dass alle TeilnehmerInnen sich ihrer berufsethischen Haltung bewusst sind und übergriffiges Verhalten anderen TeilnehmerInnen gegenüber nicht toleriert wird. Sollte es wider Erwarten TeilnehmerInnen geben, die sich nicht daran halten, werden sie von der Fortbildung ausgeschlossen. Die Entscheidung darüber liegt bei der Referentin und bei den Organisatorinnen von fortschritte Hamburg.

Es wird großen Wert auf ein vertrauensvolles, von Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung geprägtes Seminarklima gelegt.

Alle drei Teile sind nur zusammenhängend buchbar, da viel Wert auf das Entstehen einer kontinuierlichen, fachlich sich entwickelnden und vertrauensvoll diskutierenden Gruppe gelegt wird.

Literaturempfehlungen
M. Huber: "Trauma und die Folgen", "Wege der Traumabehandlung", "Von der Dunkelheit zum Licht", "Multiple Persönlichkeiten", "Viele Sein – ein Handbuch" (letzteres als Herausgeberin); alle: Junfermann-Verlag, Paderborn;
"Handbuch rituelle Gewalt" (Hrsg. C. Fließ und C. Igney), Papst-Publishing, Frankfurt

Alle Termine in der Übersicht
01. – 02. Februar 2013
17. – 18. Mai 2013
15. – 16. November 2013
jeweils freitags von 12.00 – 19.00 h und samstags von 10.00 – 17.00 h

Kosten
6 Ausbildungstage kosten 990,- Euro

Ratenzahlung nach Absprache möglich.

Bitte überweisen Sie die Gebühr auf folgendes Konto:
Jessika Distelmeyer – fortschritte HH
Postbank Hamburg
BLZ: 200 100 20
Kto.-Nr. 13 161 207

Diese Weiterbildung wird von der Psychotherapeutenkammer/Ärztekammer mit 24 Punkten akkreditiert.

Bildungsschecks
Bildungsschecks können eingereicht werden.

Anmeldung
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Veranstaltungsort
pro familia Landesverband Hamburg e.V.
Seewartenstraße 10 - Haus 1
20459 Hamburg
www.profamilia-hamburg.de | www.profamilia.de

Fachliche Leitung und Konzeption/Referentin

Foto Michaela Huber

Michaela Huber, Jahrgang 1952, psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung, 1.Vorsitzende der deutschen Sektion der ISSD (International Society for the Study of Dissociation), Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie in Kassel, Veröffentlichungen u.a. "Multiple Persönlichkeiten", "Trauma und die Folgen", "Wege der Trauma - Behandlung", "Der innere Garten", "Von der Dunkelheit zum Licht".
1997 erhielt Michaela Huber den "International Distinguished Achievement Award" der internationalen Traumafachgesellschaft ISSD. 2008 wurde sie für ihre Arbeit mit traumatisierten Menschen sowie ihre Fortbildungs- und Netzwerkarbeit mit KollegInnen von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
www.michaela-huber.com

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