Weiterbildungen

Ellert R.S. Nijenhuis, PhD, Niederlande: Diagnose und Behandlung von chronischen traumabezogenen Dissoziationen der Persönlichkeit - ein integrativer Kurs

Start: 02. – 03. Oktober 2017 | 8 Weiterbildungstage in 4 Blöcken
Weiterbildung - Nr. W 45 | Alle Termine im Überblick

Inhalte der Weiterbildung

Die Diagnose und die Behandlung chronisch traumatisierter Individuen sind komplex. Diese Komplexität kann Fachleute überfordern und verwirren. Sie kann zu Sackgassen in der Behandlung und zu problematischen Gegenübertragungsreaktionen führen.

In dem vorliegenden Training wird die Komplexität der chronischen Traumatisierung im Sinne einer Theorie der traumabezogenen Dissoziation der Persönlichkeit begriffen. Daraus werden verschiedene Behandlungsleitlinien entwickelt. TeilnehmerInnen in Workshops über Dissoziativität der Persönlichkeit berichten generell davon, dass ihnen diese Theorie hilft, Personen besser verstehen und behandeln zu können, die schweren Missbrauch und massive Vernachlässigung erlebt haben. Viele PatientInnen berichten, wie diese Theorie ihnen ebenfalls hilft, Einsicht in ihre Symptomatik und Probleme zu bekommen und sich selbst zu verstehen und dann besser mit sich umgehen zu können. Oft ist in komplexen Situationen eine gute Theorie die beste Praxis.

Im Einklang mit der Theorie der Dissoziation der Persönlichkeit, besteht eine Traumatisierung in einer wesentlichen Aufspaltung der Person in eine oder mehrere Anteile, die die Funktion haben, das tägliche Leben und die Reproduktion (i.S. einer kollektiven Überlebensstrategie) sicherzustellen. Der eine oder mehrere Anteile übernehmen das traumatische Gedächtnis und die Funktionen der biophysiologischen Verteidigungen als Reaktionen auf reale oder subjektiv erlebte Bedrohung (i.S. einer individuellen Überlebensstrategie). Die verschiedenen Anteile der Persönlichkeit üben unterschiedliche Funktionen aus. Diese Funktionen werden aus evolutionären Handlungssystemen abgeleitet, wie z.B. das Bindungssystem, Neugierverhalten, Spiel-und Verteidigungsverhalten, und manifestieren sich in unterschiedlichen kognitiven Mustern und Verhaltensweisen. Die Dissoziation der Persönlichkeit ist ein essentielles Merkmal eines weiten Spektrums traumabezogener Störungen: akute Stressreaktionen, posttraumatische Stressreaktionen, komplex posttraumatische Stressreaktionen (als diagnostische Kategorie vorgeschlagen), traumabezogene Konversionsstörungen (DSM-IV)/Dissoziative Störungen der Bewegung und des Empfindens (ICD-10), dissoziative Störung NOS (DDNOS) und dissoziative Identitätsstörungen.

Alle Anteile neigen gewöhnlich dazu, Bindungsmuster zu unterbrechen, d.h. sie zeigen konkret ein Muster, das als desorganisiertes Bindungsverhalten bekannt ist. Dennoch ist dieses desorganisierte Bindungsverhalten letztlich nicht so desorganisiert wie es zunächst scheint, da es verschiedene Verhaltensmuster in sich vereint. Ein Anteil sucht dann Nähe bei Tätern und Bezugspersonen, die ihm schaden und vernachlässigen, um Zuneigung zu erreichen und Gefühle des Allein-und Verlassenseins und des Zurückgewiesenwerdens zu vermeiden. Ein anderer Anteil vermeidet genau diese Nähe mit einer physiologischen Verteidigungsreaktion wie zum Beispiel Flucht, Erstarren und Kampf. Überlebende von chronisch traumatischem Stress suchen oftmals Zuwendung, aber gleichzeitig fürchten sie Nähe und (positive) Abhängigkeit.

Die Theorie der Dissoziationen der Persönlichkeit und ihr Handlungsmodell baut auf theoretische Grundvorstellungen, die darauf abzielen, eine Reihe anderer Perspektiven mit einzubeziehen, wie z.B. die Handlungspsychologie Janets, die Emotionstheorie als Neurowissenschaften der Emotionen, Entwicklungspsychopathologie, Bindungstheorie, Lerntheorie, kognitive Theorie, Psychobiologie der Traumatisierung und sensormotorische Psychotherapie.

Diese integrative theoretische Orientierung mündet in einen phasenorientierten Behandlungsplan, der körperorientierte Interventionen beinhaltet. Grundsätzlich werden Körper und Geist als eine funktionale Einheit verstanden.

Das Trainingsformat

Das Training selbst hat praktische Behandlungskompetenz zum Ziel und beinhaltet Vorlesungen, Rollenspiele, Videodemonstrationen, praktische Übungen, Diskussion, Literaturstudium und Hausaufgaben.

Erstes Modul

02. – 03. Oktober 2017 | Mo und Di 9.30 - 17.00 h
Das erste Modul führt die TeilnehmerInnen in die Theorie der Dissoziationen der Persönlichkeit ein und zeigt, wie diese Theorie die TherapeutInnen unterstützt, die häufigsten Symptome einer Komplexen Traumatisierung mit posttraumatischen Stresssymptomen, dissoziativen Symptomen und selbstzerstörenden Verhaltensweisen verstehen zu können.
Der theoretische Hintergrund zeigt den TeilnehmerInnen, wie sie eine vorsichtige diagnostische Untersuchung durchführen können, und schließt die Diskussion zwischen echten und falschen positiven Fällen komplexer dissoziativer Störungen ein.
Dieses Modul soll dazu dienen, dass TeilnehmerInnen ihre eigenen klinischen Fähigkeiten im Bereich der Auswertung diagnostischen Interviews verbessern und Selbsteinschätzungsfragen besser auswerten und interpretieren können.

Zweites Modul

11. – 12. Dezember 2017 | Mo und Di 9.30 - 17.00 h
Das zweite Modul liefert das Rahmenkonzept einer phasenorientierten Behandlung und fokussiert genauer die 1. Phase der Behandlung. Die TeilnehmerInnen lernen, wie sie von der Theorie der Dissoziation der Persönlichkeit aus gesehen die 1. Phase der Behandlung, in der es um Symptomreduktion und Stabilisierung geht, durchführen können. Ausführlich wird beschrieben werden, wie wir den Beginn, die Durchführung und den Abschluss mentaler und behavioraler Aktionen verstehen können, um die Kenntnis der Fähigkeit zur Integration und geistiger Fähigkeit zu verbessern.
TeilnehmerInnen werden mit einer Reihe von problem- und beziehungsorientierten Interventionen bekannt gemacht. Ein Teil der Psychopathologie der Überlebenden können als Phobie vor seelischen Inhalten, Bindungs- und dissoziativen Teilen der Persönlichkeit begriffen werden.
In diesem zweiten Modul sollen die TeilnehmerInnen lernen, wie sie Überlebenden helfen können, diese Phobien schrittweise zu überwinden. Das grundsätzliche Ziel dieses Behandlungsteils ist es, bei den Überlebenden die integrativen Fähigkeiten und seelischen Kräfte wachsen zu lassen. Dies soll ihnen ermöglichen, wieder ein zufriedenes, lebenswertes Leben zu führen und sie darauf vorbereiten, die Integration der traumatischen Erinnerung zu bearbeiten und zu erreichen.

Drittes Modul

23. – 24. März 2018 | Fr und Sa 9.30 - 17.00 h
Wenn die Überlebenden die Ziele der ersten Phase der Behandlung erreicht haben, ist es möglich, dass sie zur 2. Phase der Behandlung übergehen, die daran orientiert ist, die therapeutische Beziehung zu vertiefen und schrittweise die traumatische Erinnerung zu integrieren. TeilnehmerInnen lernen eine Reihe von solchen Behandlungsmethoden kennen. Ein generelles Prinzip dabei ist, so zu arbeiten, dass man innerhalb des „windows oft stress tolerance“ bleibt oder innerhalb ihrer integrativen Fähigkeiten. Wenn die Therapie kleinschrittig und sehr präzise in diesem Sinne geführt wurde, kann in vielen Fällen ein stationärer Aufenthalt vermieden werden, da die Überlebenden schrittweise ihre Phobien vor mehr-als-oberflächlichen Beziehungen und traumatischen Erinnerungen überwinden.

Viertes Modul

01. – 02. Juni 2018 | Fr und Sa 9.30 - 17.00 h
Dieses letzte Modul beschäftigt sich mit der 3. Phase der Behandlung. Diese Phase zielt darauf, chronisch traumatisierten Personen zu helfen, ihre Phobien vor Nähe zu überwinden, die Bereitschaft zu entwickeln, Risiken einzugehen, die Phobie vor Veränderungen und einem normalen Leben zu überwinden. Dies ist normalerweise auch die Phase, in der die dissoziativen Anteile der Personen voraussichtlich verschmelzen, was eine komplette Integration bedeutet. Den TeilnehmerInnen wird ein ganzes Spektrum von Interventionsmöglichkeiten gezeigt, die alle auf das Erreichen dieses Zieles ausgerichtet sind.

Zielgruppe
Ärztliche und psychologische PsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen und Psychotherapeutische HeilpraktikerInnen.
Alle TeilnehmerInnen haben selbstverständlich Schweigepflicht, was persönliche Daten und Informationen über Betroffene und über andere TeilnehmerInnen der Seminare angeht, werden aber ermutigt, sich ansonsten untereinander und mit ihren FachkollegInnen über die Themen und ihre Seminarerfahrungen auszutauschen.

Literaturempfehlungen
www.enijenhuis.nl/books.html

Alle Termine im Überblick
02. – 03. Oktober 2017
11. – 12. Dezember 2017
23. – 24. März 2018
01. – 02. Juni 2018
8 Weiterbildungstage in 4 Blöcken
montags und dienstags von 9.30 – 17.00 h, freitags und samstags von 9.30 – 17.00 h

Kosten
8 Ausbildungstage kosten nach Eingang der Rechnung 1.640,- Euro
(pro Wochenende 410,- Euro)

An allen Weiterbildungstagen erhalten Sie Vollverpflegung

In der Seminargebühr sind enthalten:
Unbegrenzte Anzahl kalter und heißer Getränke.
Kleines 2. Frühstück einschließlich Obst und Joghurt.
Mittags: 3-Gänge Menue mit syrischen Köstlichkeiten.
Nachmittags: Kuchen.

Diese Anmeldung ist verbindlich und obliegt den Rücktrittbedingungen.
Nach Ihrer schriftlichen unterschriebenen Anmeldung per Post erhalten Sie eine Anmeldebestätigung.

Diese Weiterbildung wird von der Psychotherapeutenkammer/Ärztekammer mit 64 Punkten akkreditiert.

Anmeldeformular u.a.
Anmeldeformular [PDF Download]
Teilnahmebedingungen [PDF Download]
Ausschreibung der Weiterbildung [PDF Download]

Bildungsschecks
Bildungsschecks können eingereicht werden.

Veranstaltungsort
MAZZA – Tagung-und Eventlocation
Der Orient im Herzen Hamburgs
Moorkamp 5
20357 Hamburg
www.mazza-hamburg.de
Anfahrt / Wegbeschreibung

Unterkunft

  • Das Yoho-the young Hotel liegt im selben Haus wie der Veranstaltungsort.
    www.yoho-hamburg.de
  • NH Hamburg Altona Norge
    Schäferkampsallee 49, 20357 Hamburg
    www.nh-hotels.de
    Das Hotel liegt ca. 3 Minuten vom Veranstaltungsort entfernt.

Fachliche Leitung und Konzeption

Ellert R.S.Nijenhuis, PhD, Niederlande

Foto Ellert R.S.Nijenhuis

Ellert Nijenhuis ist Psychologe, Psychotherapeut und Wissenschaftler.
Er bekam seinen Doktortitel mit der höchsten Auszeichnung von der medizinischen Fakultät der Freien Universität Amsterdam.
Die Doktorarbeit ist im Buch: Somatoforme Dissoziation: Phänomene, Messung und theoretische Aspekte (W.W. Norton, New York und London; deutsche Übersetzung: bei Junfermann, Paderborn 2006)
Die Internationale Gesellschaft für Studien über Trauma und Dissoziation (ISSTD) verlieh ihm verschiedene Preise. Der wichtigste davon war der Preis für das Lebenswerk, welcher ihm 2011 verliehen wurde.
Er arbeitet im "Top Referent Trauma Center of Mental Health Care Drenthe, Assen, The Nederlands". Er diagnostiziert und behandelt dort schwer traumatisierte PatientInnen. Hier betreibt er auch seine innovative wissenschaftliche Forschung und er arbeitet dabei mit mehreren Universitäten in Europa zusammen. Seine empirische und experimentelle Forschung beinhaltet die Psychologie und Pyschobiologie von chronischer Traumatisierung und Dissoziation. Er hat viele klinische und wissenschaftliche Artikel geschrieben, Beiträge in Büchern und eigene Bücher, er ist Gutachter bei einigen Fachzeitschriften und stellt in Workshops und auf vielen internationalen Tagungen seine Arbeit vor.

2003 konnte er den Abschlussvortrag bei einer Tagung der ISSTD in Chicago über die neue Entwicklung in der Psychobiologie von traumabezogener Dissoziation und dissoziativen Störungen halten. Außerdem ist er geschäftsführender Vorstand der ISSTD.

2004 wurde er von der Königin Beatrix von den Niederlanden für seine herausragenden Leistungen in Forschung und Behandlung chronisch traumatisierter Menschen zum Ritter geschlagen (Knight in the Order of the Dutch Lion).

2005 gründete er zusammen mit Helga Matthess das Psychotraumatoloy Institute Europe (PIE). PIE organisiert Workshops und Kurse mit den führenden Persönlichkeiten im Feld von Diagnostik und Behandlung von chronischer Traumatisierung.

Im November 2006 erschien das Buch "The Haunted Self: Structural dissoziation and the Treatment of chronic traumatizaton" von Onno van der Hart, Ellert Nijenhuis und Kathy Steele bei W.W. Norton New York/London. Dafür erhielten sie den Media Award der ISSTD. Eine deutsche Übersetzung ist mit dem Titel „Das verfolgte Selbst“ 2008 bei Junfermann, Paderborn, erschienen.

Weitere Infos: www.enijenhuis.nl

Ansprechpersonen für organisatorische und inhaltliche Fragen
fortschritte Hamburg
Fortbildungen · Seminare · Beratung
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